Neurotraining
Neuroathletik: Was sie ist und was sie leisten kann
Inhalt7 Abschnitte
Kurz gesagt
Neuroathletik ist Training für das Nervensystem: Sie soll verbessern, wie gut dein Gehirn Informationen aus Augen, Gleichgewichtsorgan und Körperwahrnehmung verarbeitet. Das kann Koordination, Bewegungsqualität und Körpergefühl verbessern. Für viele einzelne Übungen ist die Studienlage noch dünn – als Ergänzung zu Kraft- und Mobility-Training sind sie aber gut einsetzbar.
Die Idee hinter Neuroathletik
Jede Bewegung beginnt im Gehirn. Damit es eine Bewegung sicher planen kann, braucht es genaue Informationen aus drei Systemen:
- Visuelles System: Was sehen deine Augen, und wie gut arbeiten sie zusammen?
- Vestibuläres System: Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr meldet Lage und Beschleunigung deines Kopfes.
- Propriozeption: Rezeptoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken melden, wo sich dein Körper im Raum befindet.
Die Grundidee der Neuroathletik: Sind diese Informationen ungenau, reagiert das Gehirn vorsichtig – etwa mit mehr Muskelspannung oder weniger Bewegungsumfang. Gezieltes Training dieser Systeme soll das ändern.
Typische Übungen
- Augentraining: Einen Stift langsam zur Nase führen und ihm mit beiden Augen folgen. Oder schnelle Blicksprünge zwischen zwei Punkten, sogenannte Sakkaden.
- Gleichgewichtstraining: Im Einbeinstand den Kopf langsam drehen oder nicken. So arbeiten Gleichgewichtsorgan und Augen zusammen.
- Körperwahrnehmung: Gelenke langsam und bewusst durch den vollen Bewegungsumfang bewegen oder barfuß auf unterschiedlichen Untergründen stehen.
- Atmung: Ruhige, langsame Atmung beeinflusst das Nervensystem direkt und gehört für mich deshalb dazu. Mehr dazu im Artikel Atmung im Training.
Testen, üben, erneut testen
Ein Grundprinzip, das ich aus meinen Z-Health-Ausbildungen mitgenommen habe: Jede Übung wird überprüft. Du testest zum Beispiel, wie weit du dich im Stand nach vorn beugen kannst, machst eine Augenübung und testest erneut. Wird die Bewegung leichter oder weiter, ist die Übung für dich im Moment hilfreich. Wird sie schlechter, lässt du sie weg.
So wird aus einer Sammlung von Übungen ein Training, das zu deinem Körper passt.
Was die Forschung sagt
Gut belegt ist, dass Gleichgewichts- und Koordinationstraining Verletzungen im Sport vorbeugen kann, zum Beispiel Verletzungen am Sprunggelenk (Hübscher et al., 2010). Auch dass Augen, Gleichgewichtsorgan und Körperwahrnehmung gemeinsam die Bewegungssteuerung prägen, ist unstrittig.
Für viele einzelne Übungen aus der Neuroathletik gibt es dagegen bisher wenige hochwertige Studien. Schnelle Vorher-nachher-Effekte können im Einzelfall auftreten, lassen sich aber nicht auf jeden übertragen. Deshalb setze ich Neurotraining als Ergänzung ein, nie als Ersatz für Kraft- und Mobility-Training.
Für wen Neuroathletik sinnvoll ist
- Sportlerinnen und Sportler, die Koordination und Reaktion verbessern wollen
- Menschen, die sich beim Gehen oder Balancieren unsicher fühlen
- alle, die im Training trotz Übung an Grenzen stoßen, etwa bei Beweglichkeit oder Technik
- Menschen, die ihr Körpergefühl verbessern und besser entspannen wollen
Schwindel, Sehstörungen oder neurologische Beschwerden gehören zuerst ärztlich abgeklärt.
Häufige Fragen
Was ist Neuroathletik einfach erklärt?
Neuroathletik ist Training für das Nervensystem. Mit Übungen für Augen, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung soll das Gehirn Bewegungen besser steuern können.
Ist Neuroathletik wissenschaftlich belegt?
Teilweise. Gleichgewichts- und Koordinationstraining ist gut untersucht und kann Verletzungen vorbeugen. Für viele spezifische Neuro-Übungen gibt es bisher wenige hochwertige Studien.
Kann ich Neuroathletik zu Hause machen?
Ja, viele Übungen brauchen kaum Platz und kein Material. Sinnvoll ist, jede Übung mit einem einfachen Test zu überprüfen, ob sie dir gerade hilft.
Quellen
- Hübscher M et al. (2010): Neuromuscular training for sports injury prevention: a systematic review. Medicine & Science in Sports & Exercise 42(3):413–421.


